Informationen zum Anti-Aggressionstraining JAAT-SKT®


Verfasser des JAAT-SKT® Trainings: Alexander Diepold & Ulrich Floßdorf (Stand 25.02.2014)
Es ist grundsätzlich untersagt Textinhalte und / oder Aussagen des - JAAT-SKT® Trainings sowie des
Symyou® - Training ohne schriftliche Einverständnis des Rechteinhabers zu vervielfältigen,
weiterzuleiten oder anderweitig zu nutzen.

 

Danksagung
Auf diesem Wege möchte ich mich bei allen für ihre Unterstützungen bedanken. Besonderer Dank geht an das „Münchner Informationszentrum für Männer e.V." für die Kooperation meiner Ausbilder Herr Brand und Frau Steffes-enn, bei denen ich den Kurs im Oktober 2010 absolviert habe, sowie für die Nutzung der Quellen aus meinen Ausbildungsunterlagen. Ich möchte mich ebenfalls bei Herrn Dr. med. Thomas Müller, Arzt für Allgemeinmedizin, der uns während des Trainings bei Bedarf zu Verfügung stehen wird, bedanken.

 

Inhaltsangabe

AUF EINEN BLICK...

VORWORT

 

 

1. Beschreibung des Trainings

a) Vorwort

b) Kurze Zusammenfassung 

c) Zielgruppe

d) Allgemeine Ausschlusskritierien AAT®

e) Allgemeines Aufnahmeverfahren

 

2. Erfolg des AAT®

3. Theoretischer Hintergrund

4. Methoden und Haltung

a) Integrationsphase

b) Konfrontationsphase

c) Gewaltreduktionsphase

d) Nachsorge

 

5. Trainingsverlauf

a) Voraussetzung zum Aufnahmegespräch

b) Aufnahmegespräch der Teilnehmer

c) Teilnehmervertrag

d) Ausschlusskriterien JAAT-SKT®

e) Krisenstunden

f) Gruppenprogramm

 

6. Leistungen

a) Förderung der Persönlichkeitsentwicklung

b) Förderung des Sozialverhaltens

c) Kontaktaufnahme mit Jugendeinrichtungen und -Ämtern

d) Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Hilfsangeboten

e) Einrichtung eines Netzwerkes

f) Teilnehmer (Tln.) bezogene Verwaltungsarbeit

 

7. Rahmenbedingungen

 a) Inhalt und Umfang der Leistungen

 b) Aufnahmeverfahren über das Kreisjugendamt

 c) Entgeld

 

8. Literaturnachweise

9. Kontakte

 

 

 

VORWORT

Die Arbeit mit gewaltbereiten und straffällig gewordenen Jugendlichen ist hart und anstrengend. Der Erfolg dieser Maßnahmen nach bisherigen statistischen Erhebungen zeigt, daß mehr als 60 % der Teilnehmer, die das Training durchlaufen, nicht mehr rückfällig werden. Teilweise haben wir uns Sorgen gemacht, von solchen Menschen seelisch und körperlich zerlegt zu werden und uns in der Arbeit zu verlieren. Sich aber davon entmutigen lassen? Nein, dafür ist diese Arbeit viel zu notwendig. Und das wirklich im Sinne von: in der NOT wenden. Denn die Politik sucht bezüglich dieser Problematik nur Ursachen, ohne sich wirklich um einen kreativen Lösungsprozess im Umgang mit diesen auffällig gewordenen und als unerwünscht erachteten Jugendlichen Gedanken zu machen.
Das JAAT-SKT® greift wieder dort, wo die Konfrontations-Pädagogik versagt. Nachvollziehbare Konsequenz, Kommunikation und Konfrontation bieten ein kantiges Profil für Auseinandersetzung. Aber stets gilt Achtung, Respekt und Wohlwollen dem Teilnehmer gegenüber. Die Tat wird verurteilt, der Täter als Mensch jedoch geschätzt. In Konfrontation entsteht in einem Wandlungsprozess ein neues Selbstbild, das den Jugendlichen alternative Handlungsmuster an Stelle von Gewalt zur Verfügung stellt.
Junge Erwachsene, die manchmal beinahe unfassbare Straftaten zu begehen im Stande waren und ganz offensichtlich keinen Sinn mehr im Leben erkennen, finden in unserer Gesellschaft keinen Platz. Dabei benehmen sie sich dann auch so, als wollten sie keinen Platz finden, während sie sich tatsächlich nichts sehnlicher als gerade das wünschen.  Als AAT-Trainer arbeiten wir schon länger im Münchner Informationszentrum für Männer e.V. und sind mit diesem für das
JAAtSKT® -Training eine Kooperation eingegangen.

Beim JAAtSKT® wird gezielt mit dem Netzwerk der Teilnehmer gearbeitet. Bei Krisen stehen Teilnehmern gesonderte Therapiestunden zur Verfügung. Es besteht die Möglichkeit, während des Trainings auch auf Traumatisierungen der Teilnehmer einzugehen und Sozialkompetenzen verstärkt zu fördern. Unser Training nach den AAT-Richtlinien im Münchner Informationszentrum für Männer e.V. erfüllt die Qualität des Frankfurter AAT-Standard als eingetragenes Markenzeichen.
In diesem Sinne.

  

B) Kurze Zusammenfassung

 Das AAT® ist anzusiedeln beim Bereich tertiäre Prävention (Rössner 1973, S. 218 f.), bei der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe, beim § 10 JGG und bei den unterschiedlichen Formen des Strafvollzugs. Von Gerichten gegenüber gewaltbereiten Wiederholungstätern verfügtes Training (vgl. Sozialmagazin 1/1997 ) wird als Einstiegs-Sekundärmotivation akzeptiert.

Das Training ist eine sozialpädagogisch-psychologische Maßnahme für aggressive Wiederholungstäter. Gearbeitet wird nach einem Curriculum, einem Ablaufplan, der später noch näher beschrieben wird. Im Rahmen dieses Planes werden die Teilnehmer mit ihren Delikten konfrontiert, wobei ihnen, nach einem lerntheoretisch-kognitivem Muster, ihre fehlenden Kompetenzen bewusst gemacht werden. Ziel ist eine selbstkritische Reflektion der begangenen Tat. Rechtfertigungen werden vom Trainer entwertet und es wird ein Schuldempfinden aufgebaut, das die Opferempathie steigern soll. Zudem werden dem Teilnehmer alternative Lösungswege zur Konfliktbewältigung aufgezeigt.

Im Grunde handelt ein JAAtSKT® -Trainer nach verhaltenstherapeutischen Ansätzen sowie Teilbereichen des Psychodramas (siehe 3. Theoretischer Hintergrund).

 

C) Zielgruppe

Auffällig gewordene Jugendliche von 14-20 Jahren Junge Männer, die häufig Gewalt anwenden Jugendliche, die wegen ihrer Gewaltbereitschaft Sanktionen und strafrechtliche Maßnahmen befürchten müssen (Schulverweis, Kündigung, Entlassung aus Hilfeeinrichtungen, Haft/Bewährung usw.)

 

D) Ausschlusskriterien

Suizidgefährdung, bei psychiatrischen Krankheitsbildern nur mit vorheriger ärztlicher Abklärung, Akute Alkohol- und/oder Drogenabhängigkeit, Mitglieder organisierter Kriminalität, Gewaltbereite Jugendliche aus organisierten Gruppierungen und Milieus (Skinheads, politisch/ideologisch motivierte Gruppen usw.), Sexuell motivierte Gewalttäter, Stalker, Häusliche Gewalttäter.
Sollte sich während des laufenden Trainings eines der oben genannten Störungsbilder herauskristallisieren, wird es zum sofortigen Abbruch der Maßnahme kommen, was für den Teilnehmer weiterführende klinische und/oder juristische Maßnahmen zur Folge hat.

 

E) Das allgemeine Aufnahmeverfahren

Das Aufnahmeverfahren entspricht der Vorbereitungsphase des Curriculums. Fallstudium: Vor dem Erstgespräch widmet sich der Trainer eingehend den vom Gericht angeforderten Akten und prüft dabei die Eigung des neuen Teilnehmers. Anschließend laden wir alle in Frage kommenden Teilnehmer zu einer Infoveranstaltung ein. Der schriftlichen Einladung liegt ein Rückantwortschein über die Teilnahme an der Veranstaltung bei. Damit schaffen wir Verbindlichkeit.

Infoveranstaltung: Die Trainer informieren über den Ablauf des Kurses, die Teilnahmebedingungen und Regeln. Am Ende der Veranstaltung erhalten die Teilnehmer einen Vordruck des Vertrages, der innerhalb einer bestimmten Frist zurückgeschickt werden muss. Geschieht dies, wird der potentielle Klient zu einem psychologischen Test eingeladen. Die psychologische Untersuchung umfasst Tests wie FAF oder Staxi. Ihr Zweck ist es, Ausschlusskriterien (s. 1C) festzustellen.

Im Team werden mögliche Ausschlusskriterien festgestellt und beraten, anschließend die für das Training geeigneten Teilneh- mer ausgewählt und weitere notwendige Informationen über sie eingeholt.

Die ausgewählten Teilnehmer erhalten eine Einladung zu einem Erstgespräch.
Erstgespräch: Mit den Teilnehmern wird zunächst ein halbstan- dartisierter Fragebogen durchgegangen. Dann, nach Vertrags- abschluss, erhält jeder Teilnehmer einen weiteren Fragebogen als Hausaufgabe mit. Darin sollen Einstellungen, Gedanken und Gefühle festgehalten werden.
Nachdem der Fragebogen fristgerecht zurückgeschickt wurde, erfolgt die Einladung zum ersten AAT®-Termin.

 

Geschichte des AAT®

Über das AAT® wurden mehrere psychologische Forschungen durchgeführt. So u.a. von Weidner 1990, von Wolters 1992, von Brand 1996, von Schanzenbächer 1987-2003 sowie vom Freiburger Persönlichkeitsinventar. Das FPI-Ergebnis stellte fest, dass eine AAT-Aggressiven-Gruppe ihre Aggressivität signifikant verringerte, während die nicht behandelte Kontrollgruppe auf dem gleichen hohen Aggressions-Niveau verharrte.Des weiteren ergab eine das Rückfälligwerden untersuchende Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts, Niedersachsen, der Jahre 1987-1997, dass:

Von 74 AAT®behandelten Mehrfachgewalttätern: 63 % keine Gewalttaten mehr verübten, während 37 % gewaltätig rückfällig wurden, wovon 53 % deliktschwächer 14 % unverändert 33 % härter rückfällig wurden.

Dieses Resultat konnte in einer Studie der Universität Mainz von 2007 erneut bestätigt werden. Alle genannten Forschungsstudien finden Sie unter www.prof-jens-weidner.de.


Der Theoretische Hintergrund des JAAT-SKT®

Das JAAT-SKT® basiert grundsätzlich auf einem lerntheoretischen Paradigma nach Bandura. Die sozialkognitive Lerntheorie geht davon aus, dass das Verhalten eines Beobachters entscheidend durch dessen Erwartungen (Belohnung bzw. Bestrafung) beeinflusst wird, die wiederum von einem auslösenden Reiz hervorgerufen werden.

Positive Verstärkung (Belohnung) führt wie bei der Kondtionierung zu einer höheren Auftrittswahrscheinlichkeit des Verhaltens, während Bestrafung die Auftrittswahrscheinlichkeit senkt.

Dabei wird die Lernwirkung im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr von einem Verstärker bestimmt, sondern von den Erwartungen auf den Verstärker. Das begünstigt beim Probanden die Motivation, eigene Variationen des erwünschten, neu erlernten Verhaltens zu entwickeln.

Übertragen auf das Training bedeutet das, dass aggressives Verhalten erlernt, also keine angeborene (oder vererbte) Verhaltensweise ist und somit auch wieder verlernt werden kann. Eine, sozusagen, Löschung des Verhaltens kann durch das Vorenthalten positiver Verstärker erfolgen.

Ebenso ein Teil der theoretischen Grundlagen des JAAT-SKT® ist die kognitive Verhaltenstherapie, im Besonderen die Rational-Emotive Verhaltenstherapie von Albert Ellis und dessen ABC-Modell. Diese Theorie besagt, dass psychische Ereignisse (A= activating event) aufgrund erlernter Überzeugungen (B= beliefs) bewertet werden und zu Konsequenzen (C=consequences) im Handeln führen. Übertragen auf das JAAT-SKT® bedeutet das, dass aufgrund überzogener Wahrnehmungen durch den Teilnehmer es auch in normalen Situationen zu Überreaktionen kommen kann.

Die dritte erwähnenswerte Theorie ist die provokative Therapie von Frank Farrelly. Dabei handelt es sich um eine lösungsorientierte Kurztherapie. Sie handelt nach dem autoritativen Erziehungsstil, welcher als klare Linie mit Herz zu verstehen ist. Dabei wird eine pädagogisch gelenkte Streitkultur im sozialen Schonraum gepflegt, welche den Standpunkt des Jugendlichen zwar durchaus respektiert, den eigenen aber dennoch weiterhin vertritt.

Vom Trainer werden Selbstvertrauen und eine gesunde Intuition erwartet, um ungewöhnliche Reaktionen von Seiten des Teilnehmers situationsbedingt auffangen zu können.

Solche Verhaltensweisen, die unsere Gesellschaft nicht toleriert, und die somit ihrem Verursacher selbst Schaden bringen können, werden aufgedeckt und humorvoll anhand einer kreativen Präsentation des Therapeuten persifliert, so dass der Klient darüber lachen kann und sich aus der lähmenden Sichtweise seines ungebührlichen Verhaltens herauswinden kann, wenn auch vielleicht nur für einen Moment. Es erfordert einigen Mut, Dinge auszusprechen, die der Klient zwar selbst möglicherweise denkt, jedoch nicht auszusprechen wagt. Da es nicht darum geht, zu verletzen, werden selbst abfällige Bemerkungen so konnotiert, dass augenzwinkernd ein Reframing angeboten wird.

Der Teilnehmer wird dahingehend manipuliert, dem Trainer zu widersprechen, dadurch widerspricht er jedoch sich selbst und sein Glaubenssystem wird geschwächt oder sogar entmachtet. Grundlage sind die Ansätze der konfrontativen Pädagogik, sowie die Erkenntnis, dass jedes Verhalten erlernt ist. Von der Gesellschaft nicht geduldetes (aggressives) Verhalten als reine Handlung ist zu verurteilen, der Mensch dahinter jedoch ist es wert, geschätzt zu werden. Mit den bereits genannten Theorien, Ansätzen und Maßnahmen wird die Verhaltensänderung initiiert, der Trainer muss seine eigene Konsequenz, Offenheit, seinen eigenen Humor und Respekt mitbringen.

Wesentlicher Bestandteil des Trainings ist nicht nur der „heiße Stuhl", sondern sind daneben die Inhalte des Sozial Konfrontativen Trainings (SKT) unter Berücksichtung der jeweiligen traumatischen Erlebnisse der Teilnehmer. Hier muss sich der Klient inhaltlich und emotional mit seinem Verhalten auseinandersetzen. Da der Mensch lediglich dazu in der Lage ist, max. 9 Informationen gleichzeitig wahrzunehmen, führt diese Methode zu einem Versagen des üblichen Kommunikationskonzeptes des Teilnehmers und ermöglicht eine Kommunikation jenseits von Schutzmechanismen. Wichtig dabei: Keine akut offenen Fragen aus dieser Runde sollten nach außen getragen werden.

 

Eine Übersicht über die Methoden bildet ein Ablauf in 4 Phasen:

 

A. Integrationsphase

Gegenseitiges Kennenlernen (Aufbau von Vertrauen, Vorgespräche)

Einstiegsphase (Biographische Vorstellung, Gewaltschilderung)

Deskriptionsphase (Herstellung von Freiwilligkeit)

Beschreiben des Tathergangs

Formulieren der persönlichen Ziele

Aufstellen der Regeln (im, und während des Trainings)

Verhaltenskunde (Psychologie der Gewalt, Wissensvermittlung über Beispiele, Beispiele mit der Gruppe über das ABC-Modell lösen und besprechen, „Wie stellt sich die Situation dar, wie wird bewertet, welche Einstellungen werden sichtbar?")

Männlichkeitsbilder / Weiblichkeitsbilder (Sozialisation)

Selbst & Fremdbild / Verhalten spiegeln (Manche finden ihr eigenes Verhalten gut und halten sich für tolle Typen, zugleich sehen sie dasselbe Verhalten bei anderen als pathologisch an).

Probedurchgang "heißer Stuhl" (Jeder Teilnehmer muss für min. 8 Minuten auf den heißen Stuhl. „Halte ich das aus? Ist die Maßnahme was für mich?")

 

B. Konfrontationsphase

Jeder Teilnehmer steht einmal im Mittelpunkt (Auseinandersetzung mit den jeweiligen Taten, Reflexion zu den Folgen für die Opfer, eigene Stärken und Schwächen sollen erkannt werden)
Opferperspektive einnehmen Entschuldigungsbriefe verfassen (diese werden nicht abgeschickt; die Gruppe prüft aber ihre Glaubwürdigkeit)
"Heiße Stühle" (Deliktinszenierung)
Körperübungen (gemäß Vorbild Rüdiger Dahm)
Opferfilm (als Hausaufgabe soll der Teilnehmer einen Brief aus der Sicht des Opfers an sich selbst schreiben)

 

C. Gewaltverringerungsphase

Soziale Rolle/Rollenkonflikte (Welche Rollen haben die Teilnehmer im Alltag? Welche Konflikte ergeben sich? Ein Plakat wird gestaltet.) Analyse individueller Aggressionsauslöser und Konfliktmuster Subkulturelles Gedankengut wird sozialen Normen und Wer ten gegenübergestellt (Welche Normen stehen im Gegensatz zu persönlichen Werten? Welche kann man ablegen?) Streitkultur entwickeln (Probleme erkennen, definieren und lösen) Deliktzirkel (Gewaltspirale, deliktspezifische Risikofaktoren) Feedback über den Trainingsverlauf und individuelle Aufgabenstellung Ressourcen (Handlungsalternativen erkennen) Erarbeiten eines individuellen Rückfallvermeidungsplans

Abschlussveranstaltung (Feierliche Überreichung der Zertifikate, Austeilung von Feedbackbögen, erneute psycholo gische Untersuchung, Aufgabe: Einen Brief an sich selbst verfassen unter der Perspektive „Wo stehe ich in einem halben Jahr?")

Tutorenstatus (nach erfolgreich verlaufener Teilnahme und mit mindestens zwei Jahren Abstand - ohne erneute Gewaltrückfälligkeit)

D. Nachsorge

Gruppenveranstaltungen.Angebote wie z. B. Events, bei Bedarf Einzelgespräche,
bei Bedarf ein Symyou Sozialkompetenztraining

 

Trainingsverlauf des JAAT-SKT (Stand 25.02.14)

Drei Vor- bzw. Aufnahmegespräche gehen dem Gruppenbeginn voraus:
Die Aufnahmegespräche dienen der diagnostischen Abklärung, ob ein Teilnehmer für den JAAT-SKT® bereit und geeignet ist; sie liefern ferner Basisinformationen zur Entwicklung seiner sozialen Kompetenz, zu seiner Gewaltproblematik und zu seiner Persönlichkeit. Bei den notwendigen Interventionen kann dies von großer Bedeutung sein. Genau genommen sind diese Gespräche bereits die erste Intervention, denn in ihnen verdeutlichen Fachkräfte den künftigen Teilnehmern ihre Gewaltproblematik. Mehr noch, sie setzen damit den Prozess der persönlichen Auseinandersetzung in Gang. Teilnehmern wird hier überdies vermittelt, welche ausbaufähigen Kompetenzen und welche, ihnen möglicherweise noch nicht bewussten, persönlichen Ressourcen sie besitzen. Auch sowas muss in das Training einfließen.

 

A. Voraussetzungen für ein Aufnahmegespräch

- Sofern ein Teilnehmer einen Erstgesprächstermin versäumt, kann von ihm vor Vereinbarung eines neuen Termins eine schriftliche Bewerbung für das Training verlangt werden.

- Statistikbogen und Stammdaten werden beim Teilnehmer zu Gesprächsbeginn erfragt. Teilnehmer werden gebeten, den Anlass für das Gespräch zu schildern und es werden dabei mögliche Widersprüche zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung aufgezeigt.

- Die genaue Anzahl der Verurteilungen sowie der Anzeigen inklusive Beschreibung des Tathergangs und der strafrechtlichen Konsequenzen werden abgefragt.

- Teilnehmer werden um ihre Selbsteinschätzung hinsichtlich der Anzahl von Schlägereien, in die sie verwickelt waren, gebeten, wobei auch Erlebnisse geschildert werden sollen, die zeitlich vor der strafrechtlichen Verantwortlichkeit liegen.

- Ebenfalls Wichtig: War der Teilnehmer bereits aggressiv im Kindergarten, in der Schule, im Hort; litt/leidet er unter ADHS, usw.).

-Teilnehmer werden umfassend über Ziele und Inhalte des Gruppenprogramms informiert

-Teilnehmern werden die Bedingungen für eine Aufnahme in die Gruppe erklärt und sie werden aufgefordert bis zum nächsten Aufnahmegespräch folgende Schriftstücke vorzulegen:

 

a. Schriftliche Bewerbung bestehend aus der Bearbeitung von 5 Beweggründen

(Z.B.: „Warum brauche ich diesen JAAT-SKT® ?") und 5 Zielen

(Z.B.:„Was soll sich in meinem Leben durch den JAAT-SKT® verändern?")

b. Schweigepflichtentbindung gegenüber Gericht, Bewährungshilfe und sonstigen relevanten Institutionen

c. Sämtliche Gerichtsurteile zu Gewaltdelinquenz und weitere diesbezügliche Gerichtsunterlagen

(z.B. psychologische Sachverständigengutachten)

d. Unterzeichneter Teilnahmevertrag mit individuellen

Absprachen über rückfallgefährdende Orte und über Alkohol-/ Drogenkonsum

e. Die Schweigepflichtentbindung wird im Erstgespräch ausgefüllt bzw. muss in Ausnahmefällen spätestens zu

d.Beginn des zweiten Aufnahmegespräches vorliegen. Sie ist unter anderem Grundlage für die Datenweitergabe an die Kostenträger zur Abrechnung.

 

B. Das Aufnahmegespräch mit den Teilnehmern

- Die Teilnehmer werden zu ihrem Eindruck vom vorherigen Gespräch befragt.

- Die Aufnahmebedingungen werden in weiteren Aufnahmegesprächen thematisiert. Die Teilnehmer erhalten Tipps und Unterstützung bei der Erledigung der Aufgaben (Z.B.: Wo sie ihre Gerichtsurteile erhalten können, oder, wer für ihren Kostenantrag zuständig ist, usw.). Eventuelle Nichterledigungen von Aufgaben werden thematisiert.

- Sofern Teilnehmer weitere Aufnahmegespräche unentschuldigt versäumen oder die Teilnahmebedingungen nicht erfüllen, kann die Terminvereinbarung von der Erledigung der Aufgaben abhängig gemacht werden. Bei mehr als zwei versäumten Terminen wird die Beratung des Teilnehmers abgebrochen.

- Eventuelle Teilnahmehürden (z.B. Arbeitszeiten) werden geklärt.

- Eventuelle von Teilnehmern eingebrachte Themen werden besprochen (Z.B.: Persönliche Krisen), der Fokus sollte aber auf der Abklärung der Programmaufnahme liegen.

- Bei Suchtmittelproblemen wird das Ausmaß des Alkohol- bzw. Drogenkonsums erhoben. Bei Hinweisen auf problematischen Konsum können mit Teilnehmern während der Aufnahmephase Regelungen erarbeitet und reflektiert werden, um den Konsum zu kontrollieren. Gegebenenfalls erfolgt eine Programmaufnahme nur mit der Auflage einer flankierenden Drogenberatung bzw. -Therapie.

- Bei Hinweisen auf ein erhöhtes Rückfallrisiko (Z.B.: Bei angestauter Aggressivität, „offenen Rechnungen" oder akuter Suchtproblematik) werden diese mit den Teilnehmern erörtert und Ausstiegsszenarien für die Zeit bis zum nächsten Gespräch erarbeitet. Gegebenenfalls wird Kontakt zu kooperierenden Stellen aufgenommen.

 

C. Vertrag der Teilnehmer

Zwischen Teilnehmer und Trainer wird ein Vertrag geschlossen. Dieser enthält, neben den allgemeinen Vorgaben, mit dem Teilnehmer abgesprochene, individuelle Vereinbarungen.

 

D. Ausschlusskriterien

- Sprachhemmnis: Ist ein Teilnehmer aus sprachlichen Gründen nicht in der Lage, dem Trainingsprogramm zu folgen, kann er nicht aufgenommen werden. Dies schließt eine Teilnahme zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus, sofern der Teilnehmer dann sprachlich dem Training folgen kann.

- Diagnose Persönlichkeitsstörung: Besteht eine diagnostisch nachgewiesene Persönlichkeitserkrankung (Z.B.: Psychose, Soziopathie / Psychopathie), ist eine Aufnahme nicht möglich

-Wenn der Schwerpunkt der Gewalt sich nicht für JAAT-SKT® eignet (Z.B.: Sexualstraftat oder Partnerschaftsgewalt), wird an andere entsprechende Fachstellen weitervermittelt.

- Besteht eine diagnostisch nachgewiesene Persönlichkeitsstörung, ist die Möglichkeit der Teilnahme vorher mit den behandelnden Ärzten abzuklären.

- Behinderung: Bei bestehender geistiger Behinderung oder Debilität sowie sinnesmäßigen Einschränkungen ist eine Teilnahme am Training ausgeschlossen. Falls eine körperliche Behinderung besteht, wird im Einzelfall entschieden.

- Traumatisierung: Bei Teilnehmern, die aufgrund von Kriegstraumatisierung oder aus politischer Motivation gewalttätig geworden sind, wird die Teilnahme am Training geprüft. 

- Bestehende Mitgliedschaft in gewaltorientierten Vereinigungen (Z.B.: Hells Angels, Skinheads usw.) schließen in der Regel eine Teilnahme aus.

- Sofern eine Suchtabhängigkeit besteht, muss diese vorrangig bearbeitet werden.

- Bei Abstinenz oder parallel verlaufender Therapie ist die Aufnahme möglich, eine gegenseitige Schweigepflichtentbindung aber Voraussetzung.

-Bei Teilnehmern mit nachgewiesener ADHS-Problematik bzw. bei denen sich der Verdacht einer solchen aufdrängt, ist die Zusammenarbeit mit einem Facharzt erforderlich (Z.B.: Notwendigkeit medikamentöser Einstellung wegen fehlender Impulssteuerung).

 

E. Krisenstunden

Häufig liegen bei den teilnehmenden Jugendlichen Reifungsrückstände vor. Das heißt, diese Teilnehmer werden den Anforderungen des Lebensalltages noch nicht gerecht. Dabei können Beziehungskrisen eine Rolle spielen (erste Verliebtheit, Verlassenheitsgefühle usw.). Aber auch Konfliktpotential im Elternhaus wirkt sich, unter Umständen, massiv beeinträchtigend auf den Lebensalltag der jungen Menschen aus. Daher kann jeder Jugendliche im Bedarfsfall ein Stundenkontingent von ca. acht Krisenstunden während des gesamten Trainingszeitraumes nutzen, um persönliche Probleme zu bearbeiten.

 

F. Gruppenprogramm / Curriculum

Es werden insgesamt 20 Sitzungen bereitgestellt und drei Nachholtermine oder ein Tagesseminar angeboten. Bei mehr als drei versäumten Sitzungen gilt das Training als nicht bestanden. Nach bisherigen Erfahrungen rechnen wir mit dem Ausfall von bis zu drei Kursabenden pro Teilnehmer.

 

Für alle Kurstage gilt

- Verspätungsregelung: Die Gruppe beginnt um 19:00 Uhr. Bei Verspätungen von bis zu 15 Minuten wird die Verspätungszeit ans Gruppenende angehängt und muss von allen Teilnehmern getragen werden. Vermehrte Verspätungen können dazu führen, dass ein Nachholtermin fällig wird.

-Bis zu drei Fehltermine können nachgeholt werden, bei mehr Fehlterminen muss der Kurs neu absolviert werden. Grundsätzlich gilt, dass alle 20 Sitzungen abgeleistet sein müssen.

-Handys und andere zur Ablenkung geeignete Gegenstände müssen abgegeben werden

-Jede Sitzung beginnt mit sportlichem Aufwärmen (Abschalten vom Alltag).

-Qi-Gong (Atemübungen, um sich auf die Gruppe einzustellen).

-"Blitzlichtrunde" zu Beginn und am Ende jeder Sitzung (möglichst ohne Diskussion, nur kurze Nachfragen der Trainer): Die Teilnehmer berichten einer nach dem anderen, abschließend geben die Trainer ihr Statement ab.

-Das Gruppenprogramm ist mit zwei JAAT-SKT®-Trainern auf maximal 10 Teilnehmer angelegt. Sind nur bis 50 % der Teilnehmer anwesend, findet die Sitzung nicht satt. Der Termin muss nachgeholt werden. Eine Erhöhung der Teilnehmerzahl auf mehr als 10 Teilnehmer macht eine entsprechende Aufstockung des JAAT-SKT®-Trainerteams erforderlich. Alle Gruppensitzungen werden auf Video aufgezeichnet. Die Inhalte der Video-Aufzeichnungen unterliegen der Schweigepflicht.

 

Die 1. Sitzung: Kennenlernen

-"Blitzlicht" (die Teilnehmer geben kurz Auskunft zu ihrer aktuellen Situation und zu ihren Befindlichkeiten).

Die Teilnehmer werden auf ihre verantwortungsvolle Rolle in der Gruppe vorbereitet (denn von ihnen hängt das jeweilige Gruppenklima ab, ebenso wie das Verhältnis zu den Trainern). Dies geschieht z.B. vermittels der "Traumreise", bei der ein Trainer die Teilnehmer bittet, sich daran zu erinnern, wie es für sie einst war, als sie zum ersten Mal ins SKT kamen. Anschließend fasst er die Inhalte der ersten Phase für alle stellvertretend zusammen.

-Fremdeinschätzung der Junioren durch die Senioren und danach auch umgekehrt: Welchen Gewalttyp repräsentiert der Einzelne (proaktiv/reaktiv, instrumentell/impulsiv, Einzelner/Gruppe, Szene, Waffen, unter Alkohol/Drogen, Gewalt ausschließlich gegen Männer/Partnerschaftsgewalt, sexuelle Delikte).

-Vorstellung mittels Fragebogen (Was ich mag/was nicht, mein Vorbild, mein größter Erfolg, 3 gute/3 schlechte Eigenschaften von mir, meine Gewalt, meine Kompetenzen und Fähigkeiten).

-Diskussionsrunde: Was darf im JAAT-SKT® nicht passieren?

-Fragebogen ausfüllen (FAF, Empathiebogen)

-"Blitzlicht"-Abschluss

 

Die 2. Sitzung: Einführung in den JAAtSKT®

-Besprechen der Gruppen- und Aufmerksamkeitsregeln: Vermitteln der Regeln, die für die Gruppe gelten. Vertiefung der Regeln durch Trainer (insbesondere im Hinblick auf die Vermittlung von aufmerksamer Körpersprache)

-Einführungsfilme: „Letzte Chance für harte Jungs" oder „Das Mörderprojekt"

-Theorie: Was ist Gewalt, was Aggressivität, Notwehr, Nothilfe...; welche Straftatbestände werden berührt usw.

-Einführung in Lebensläufe: U.a. soll ein Lebenslauf im Koordinatensystem erarbeitet werden.

 

Die 3. -7. Sitzung: Lebensläufe

- Ziele der Lebenslaufanalyse: (1) Antisozialer Entwicklungsweg: Die Teilnehmer sollen sich auslösender Lebensumstände und der Zwangsläufigkeit der aggressiven Entwicklung bewusst werden. Auf einige (teilweise schlimme) Lebensbedingungen hatten sie selbst keinen Einfluss. An anderen Punkten haben sie sich aber für einen aggressiven Entwicklungsweg entschieden. Frühstarter etwa galten schon als Kind als aggressiv und können erkennen, wie lange sie das Verhalten schon zeigen und wie es sich im Lebenslauf gesteigert hat. Spätstarter, die erst im Jugendalter durch Aggressivität aufgefallen sind, können erkennen, welche Lebensumstände dazu geführt haben. (2) Kosten-Nutzen-Analyse: Die Teilnehmer können erkennen, dass Ihnen die Gewaltbereitschaft im Längsschnitt betrachtet mehr Nach- als Vorteile gebracht hat. (3) Vertrauen und Gruppenkohäsion: Die Teilnehmer sollen Vertrauen gegenüber Gruppe und Trainern aufbauen, indem sie von sich Persönliches erzählen. Die Teilnehmer lernen sich näher kennen.

- Lebensläufe werden sehr ausführlich analysiert. Nachfragen sind erwünscht und erlaubt. Als Verständnisnachfragen für die Gruppe wären z.B. akzeptabel: Wo aufgewachsen? Was arbeiten die Eltern? Gibt es Geschwister? Genauer analysiert werden hinsichtlich Aggressivität und Gewalterfahrungen: (1) Leben und Interaktion in der Familie und mit sonstigen Bezugspersonen (2), Erfahrungen in Kindergarten und Schule sowie (3) Kontakte mit Gleichaltrigen im Jugendalter. Was waren die Konfliktbewältigungsmuster jener Jahre?

 

Die 8.-16. Sitzung: Gewalt- und Tatkonfrontation.

Der "Heiße Stuhl"

 -Ziele des "heißen Stuhls" sind (1) die Konfrontation mit der ausgeübten Gewalt und (2) das Herstellen von Betroffenheit für die Taten und (3) das Erkennen eines individuellen Musters gewaltbesetzter Handlungen sowie die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln.

-Teilnehmerinterview: Der Betreffende muss zu Beginn drei gute und drei negative Eigenschaften von sich sowie eine, aus seiner Sicht, miese Tat benennen, die auf einer Flip-Chart notiert werden. Fallen ihm keine Eigenschaften ein, kann sein Vorstellungsbogen (siehe 1. Sitzung) zu Rate gezogen werden.

 - Vorbereitung auf die Konfrontation mit der Gruppe: Eindrücke der anderen Teilnehmer und der Trainer werden gesammelt.

- Wie wurden bisher Konflikte oder Probleme gelöst? Akteninformationen werden verlesen und bewertet. Eine Spielstrategie sowie die Rollen für die Inszenierung des "Heißen Stuhls" werden festgelegt.

-Der "Heiße Stuhl" sollte stets (1) zielgerichtet, von Trainern geleitet und gut vorbereitet worden sein, (2) er sollte zudem die anderen Teilnehmer konstruktiv einbinden. (3) Körperkontakte gilt es zu vermeiden (No-Touch-Gebot), während (4) beziehungsfördernde Elemente durchaus erwünscht sind.

-Vorbereitung im Trainerteam: Die jeweiligen gewaltauslösenden Faktoren der einzelnen Teilnehmer gilt es zu beachten und die genauen Ziele des "Heißen Stuhls" zu definieren. Im Anschluß an den "Heißen Stuhl" wird das jeweilige Befinden der Teilnehmer abgefragt, dann eine „sharing"-Runde veranstaltet und erneut die Befindlichkeit über eine Skala abgerufen. Dabei steht im Vordergrund: Was für ein Täterprofil liegt vor? Wie ist die Gewaltlogik?

 

Die 17. Sitzung: Opferempathie

- Vorbereitung durch Hausaufgabe: Die Teilnehmer müssen einen Entschuldigungsbrief an eines ihrer Opfer formulieren.

- Ein Film wie z.B. „Es geschah in 11 Sekunden" oder „Killer Boots" wird gezeigt und im Zusammenhang mit dem eigenen Opfererleben diskutiert.

- Entschuldigungsbriefe werden vorgelesen und von der Gruppe bewertet. Es gibt konkrete Veränderungstipps. Vorrang haben die Briefe der Senioren, die das JAAT-SKT® abschließen werden.

- Selbsterfahrung mit Schlagpolstern: Wie fühlt es sich an, am Boden liegend getreten zu werden? Die Übung muss durch die Trainer so angeleitet werden, dass die Teilnehmer bereit sind, sich in die Opferrolle zu begeben. Die Selbsterfahrungsübung ist freiwillig.

- Methodischer Einsatz von Zuckball (ein Teilnehmer, dem die Augen verbunden wurden, wird mit Softbällen beworfen und spricht über seine Empfindungen), weitere Spiele zur Vermittlung des Gefühls des Ausgegrenztseins stehen zur Verfügung…

 

Die 18. und 19. Sitzung: Raumdurchquerungen / Gewaltverringerung

-Videoauswertung: Wie wirke ich auf andere / Raumdurchquerungen (entspannt, angespannt, wütend, aggressiv…

-Rollenspiele: Wie weise ich Provokationen ab, ohne aggressiv zu werden?

-Wie ziehe ich gewaltfreie und zugleich der jeweiligen Situation gerecht werdende Grenzen?

 

20. Sitzung: Abschluss der Gruppenphase

-Gemeinsamer Aufsatz: Jeder Teilnehmer hat einen Redetext zum Thema „Mein Leben nach dem JAAT-SKT®" zu schreiben

-Die einzelnen Reden werden vor der Gruppe gehalten.

-Die Übergabe des Zertifikates und des JAAT-SKT-Symbols (z.B. Kompass als Wegweiser) erfolgt bei einem anschließenden gemeinsamen Abschlussessen mit allen Teilnehmern.

-Ausfüllen des K-FAF und der IRI-Fragebögen.

 

Seminartag

-Der Seminartag findet gegen Mitte des Trainings statt.

-Er soll gemeinsam mit einem Erlebnispädagogen und den Trainern durchgeführt werden, z.B. an einer Kletterwand bzw. in einem Kletterwald, oder aus einem Hindernisparcours in der Natur mit verschiedenen Aufgabenstellungen (Erfahren eigener Grenzen, Stärken, des Durchhaltevermögens, der Einlassbereitschaft) bestehen.

-Der Einsatz eines Theaterpädagogen/Schauspielers soll helfen, in kritischen Situationen gewaltfrei reagieren zu können, zugleich sich mehr zuzutrauen sowie die eigene Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeiten zu trainieren.

-Die Nützlichkeit der Medienpädagogik lernen die Teilnehmer gleichfalls schätzen: Anhand zweier Fotokollagen wird Konfliktlösung mit und ohne Gewalt an einem und dem selben Fall veranschaulicht.

  

Zwischenauswertungsgespräch nach ca. 10 Sitzungen

-Bei Bedarf sollte die Bewährungshilfe oder Jugendgerichtshilfe hinzugezogen oder telefonisch über das Gesprächsergebnis in Kenntnis gesetzt werden. Besprochen wird der bisherige Verlauf anhand eines Auswertungsbogens, anhand individueller Fragen, sowie anhand der Erwartungen für die zweite Gruppenphase. Abschlussgespräch nach Absolvierung sämtlicher Sitzungen einschließlich des Seminartages

 

Abschussgespräch nach Erfüllung aller Sitzungen einschließlich des Seminartages. 

-Günstigerweise sollte das Abschlussgespräch mit dem einzelnen Teilnehmer jeweils frühestens 3-6 Monate nach Absolvierung seines Trainings geführt werden.

-Sofern eine Bewährungs- oder Jugendgerichtshilfe bestellt worden ist, sollte das Gespräch in derem Beisein geführt werden.

 

Die Grundhaltung der Trainer

Wir nehmen dich ernst, aber wir vertrauen dir nicht bedingungslos.

  • Wir sprechen alles an, was war; "Schwamm drüber" ist nicht unser Ding.
  • Wir lassen uns nicht in Vertraulichkeiten verwickeln.
  • Wir werden dich nicht entwerten.
  • Wir helfen dir, dich in Frage zu stellen und wir werden     dich unterstützen.
  • Wir glauben, dass Veränderung möglich ist.
  • Wir glauben nicht an eine Veränderung von heute auf morgen.
  • Wir glauben, dass Taten mehr sagen als Worte.
  • Wir brauchen eine Form von Kontrolle.
  • Wir glauben an Veränderung, nicht aber an Heilung

 

A) Persönlichkeitsentwicklung

Das ganze Trainings basiert auf einem optimistischen Menschenbild. Das bedeutet im Umgang mit den Teilnehmern, dass diese mit ihren Stärken und Schwächen angenommen und wertgeschätzt werden. Die jeweiligen begangenen Straftaten werden jedoch weder verharmlost noch entschuldigt. Der Grundgedanke des Trainings lautet: Den Täter verstehen, jedoch nicht (mit seinen Taten) einverstanden sein. Die Teilnehmer müssen sich im Laufe des Trainings mit ihrem gesetzeswidrigen Handeln auseinandersetzen und die richterlichen und übrigen Konsequenzen für ihre Taten akzeptieren. Das trägt zur Entwicklung einer gefestigten, verantwortungsvollen Persönlichkeit bei.

 

B) Förderung des Sozialverhaltens

Die Teilnehmer lernen die Tat innerhalb des Gruppenprozesses zu reflektieren. Es wird eine Opferemphatie angestrebt, die eine Hemmschwelle für gewaltbereites Handeln entwickelt. Das gewaltbereite Verhalten muss durch alternative Verhaltensweisen ersetzt werden. Dazu werden verschiedene Konfliktlösungsstrategien eingeübt und neue, gewaltfreie Handlungsalternativen aufgebaut.

 

C) öffentliches Netzwerk

 Nicht nur die Beziehung zwischen Trainer und Teilnehmer sind wichtig für einen Erfolg. Es ist die Aufgabe des Trainers mit Einrichtungen wie dem ASD des Jugendamtes, der Bewährungshilfe, der Jugendgerichtshilfe, mit eventuell involvierten Sozialpädagogen bzw. Ärzten und nicht zuletzt mit den Eltern zu kooperieren und ein funktionierendes Netzwerk mit gesunder Kommunikation im Sinne des Jugendlichen aufzubauen und zu pflegen.

D) Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und Hilfsangeboten

Um den Zusammenhalt und das Vertrauen des Jugendlichen und des Trainers zu stärken, sind eine Reihe von erlebnispädagogischen Maßnahmen sinnvoll. Es bietet sich hierzu eine Reihe von Unternehmungen an, z. B. Kendo, theaterpädagogische Maßnahmen im Hinblick auf das Psychodrama und seine Stellung in der Methodik des Trainings, Zusammenarbeit mit der Polizei bzw. dem Roten Kreuz sowie Kooperation mit verschiedenen externen, beratenden Einrichtungen.

E) Einrichtung eines TEILNEHMER-Netzwerks

Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich im Laufe des Trainings untereinander auszutauschen und ein Netzwerk zu bilden. Damit sollen neue soziale Kontakte geknüpft werden, die wünschenswerterweise auch außerhalb des Trainings in Form eines "AAT®-Stammtischs" gepflegt werden können. Es dient zur Schaffung von Rückhalt und zur Bestätigung; ein Rückfall in alte, möglicherweise schädliche, soziale Netzwerke kann so vermieden werden.

 

F) Klientenbezogene Verwaltungsarbeit

Diese Leistung umfasst alle bürokratischen und dokumentierenden Tätigkeiten, die im Laufe des Trainings anfallen. Außerdem beinhaltet es die schriftliche Vor- und Nachbereitung jeder Trainingseinheit

 

A. Inhalt und Umfang der Leistungen

Die im Rahmen des JAAT von MADHOUSE zu erbringenden Leistungen werden differenziert nach direkten bzw. fallspezifischen Leistungen und indirekten bzw. fallunspezifischen Leistungen. Direkte bzw. fallspezifische Leistungen sind insbesondere Vorgespräche mit den vorgesehenen Teilnehmern, Gruppensitzungen, Seminartage, Auswertungsgespräche, Krisen- und andere Einzelgespräche sowie die Abschlussveranstaltung in feierlichem Rahmen Indirekte bzw. fallunspezifische Leistungen sind Insbesondere Verwaltung, Supervision, Dokumentation und Bewirtschaftung der Räume sowie Öffentlichkeitsarbeit. Die vorgesehenen Fachleistungsstunden enthalten nicht weniger als 85 % direkte bzw. fallspezifische Leistungen und nicht mehr als 15 % indirekte bzw. fallunspezifische Leistungen.

 

B. Aufnahmeverfahren über das Kreisjugendamt

Der Zugang zum JAAT erfolgt grundsätzlich über das Kreisjugendamt. In beiderseitigem Einvernehmen können freie Plätze im JAAT anderweitig belegt werden. Kreisjugendamt und MADHOUSE gGmbH nehmen hierbei Rücksicht auf die jeweiligen gegenseitigen Interessen.

Anderweitig belegte Plätze im JAAT werden nicht vom Kreisjugendamt finanziert. Der Zugang zum JAAT setzt grundsätzlich eine entsprechende Entscheidung des Jugendgerichts voraus. Ein förmliches Antragsverfahren ist nicht notwendig.

 C. Entgelt

Die Zuweisung erfolgt durch das Kreisjugendamt des Landkreises München.
Hierbei gilt die Rahmenvereinbarung zwischen dem Kreisjugendamt München und der Madhouse gGmbH vom 12. 01. 2015:

Für die Teilnehmer ist das Training kostenlos 

Es ist grundsätzlich untersagt Textinhalte oder Aussagen ohne das schriftliche Einverständnis des Inhabers zu für vielfältigen weiterzuleiten oder anderweitig zu nutzen

Das Angebot gilt für bis zu 10 Teilnehmer. Es werden insgesamt 20 Sitzungen abgehalten. Eine Sitzung entspricht 2,5 Stunden. Das Training beinhaltet Einzelsitzungen zur Krisenintervention und einen Seminartag

Benötigt wird ein Gruppenraum, sowie ein Raum für Einzelsettings. Für die Infoveranstaltung, sowie für die ersten Termine besteht Bedarf nach einem Fernseher mit DVD-Player sowie einer Videokamera. Letztere wird von Madhouse zur Verfügung gestellt.

Es ist grundsätzlich untersagt Textinhalte oder Aussagen des JAAT-SKT® - Trainings oder andere, hier auf der Homepage veröffentlichte Inhalte ohne schriftliche Einverständnis des Rechteinhabers zu vervielfältigen, weiterzuleiten oder anderweitig zu nutzen.

Verantwortlich Ulrich Floßdorf

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